Club Bellevue
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Written by: Date: April 6, 2009 ⋅ Category: Kolumne / Magazin: Null Acht

Einwürfe von der Trainerbank: Der dicke Daniel – Teil 3

Daniel ist dicker als seine gleichaltrigen Kollegen in meiner auszubildenden Elf. Daniel hat anatomische Nachteile bei der Ausübung seines liebsten Spiels. Daniel ist Ersatztorwart. Und Daniel kann noch keine einzige Minute zwischen seinen geliebten Pfosten verbuchen. Das alles ist bitter für Daniel. Und bitter für mich.
In den Trainingseinheiten gibt er immer sein individuell Bestes. Er ist der Erste am Feld und der Letzte im Mannschaftsbus. Er macht die besten Witze und die schlechtesten Auswürfe. Er sitzt am Ball, während die anderen ihrer »Geliebten« bereits hinterherlaufen. Er schwitzt schon, während sich die anderen noch umziehen.Was tun? In meinem ersten Versuch machte ich ihn zu meinem Teamchef-Assistenten. Mein persönlicher Andi Herzog. Er forcierte das – bis heute bescheidene – Konditionstraining. Reaktion von Daniel: eher positiv. Reaktion der Mannschaft: eher negativ. Verdammt!Der zweite Versuch: Verantwortlicher für Zeitplanung. Sprich, jene Person an meiner Seite, die zur Pünktlichkeit und Einhaltung der sportwissenschaftlich empfohlenen Regenerationszeiten mahnt. Reaktion der Mannschaft: eher neutral. Reaktion von Daniel: eher negativ. Verdammt!Bedauerliches Zwischenresümee: Sowohl Plan A als auch Plan B können als gescheitert eingestuft werden. Unsere Nummer Eins, die »Katze von der Kaiserstraße«, wird weder von Verletzungspech gequält noch stehen lukrative Transferangebote ins Haus.Zum Abschluss jeder Trainingseinheit gibt es immer ein Spiel – die Simulation des ernsten Falles. Ich stelle die Mannschaften (meistens) sensitiv zusammen. Ausgeglichen, mit Rücksicht auf alle Beteiligten. Daniel hat oft einen starken Mann (eigentlich ein heranwachsendes siebenjähriges Kind) als Wache vor seinem Strafraum. Erfolgserlebnisse inklusive. Auch hier hatte Daniel bereits seine Kantersiege und Torsperren gefeiert. Aber er hat recht, wenn er zu mir (und schlimmer, auch zu seiner Mutter) sagt: »Das ist nicht das Gleiche.« Und ich wusste: »Ist es nicht.«Integrative Maßnahmen, die ich bereits zu Saisonstart bewältigte: Die ganze Mannschaft wird mit schicken Dressen ausgestattet. Und ganze Mannschaft bedeutet: auch die Ersatzspieler. Sprich, auch Daniel glänzt in seiner (etwas zu eng anliegenden, die Transpiration fördernden) Tormannkleidung. Doch dann: dritter Spieltag, zweite Halbzeit: unsere erste komfortable Führung in dieser Saison. Zwischenstand: 6:1. Noch weitere vier Minuten zu spielen, der Sieg in Griffweite, das Austauschkontingent bei Weitem noch nicht erfüllt. Also gut: Daniel! Unsere Nummer Eins, »die Katze von der Kaiserstraße«, mag zwar (hoffentlich nur kurzfristig) die Welt nicht mehr verstehen, als er bereits auf der für ihn neuen Bank sitzt, aber ich nicke zustimmend und gebe wirklich von mir: »So ist es.«Vier Minuten später. Endstand: 6:1! Daniel ohne Ballberührung! Daniel ohne Gegentor! Reaktion der Mannschaft: eher positiv. Reaktion von Daniel: eher positiv. Reaktion der »Katze«: eher neutral.

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